edith wahlandt galerie 

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Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung
E-Mail: ewm@edith-wahlandt-galerie.de


Presseinformation Andreas Brandt | neue Bilder

Eröffnung am Samstag, 19. Januar 2013, 11.00 bis 14.00 Uhr | Um 12 Uhr spricht Georg Imdahl, Düsseldorf

Die edith wahlandt galerie startet in das neue Ausstellungsjahr mit einer Werkschau von Andreas Brandt (*1935). Schwerpunkt dieser Präsentation ist die aktuelle Werkgruppe,
ergänzt durch eine exemplarische Auswahl von Bildern, die einen Blick zurück in die frühe Schaffenszeit ermöglichen. Nach der erfolgreichen Ausstellung 2006 sind nun zum
zweiten Mal Werke dieses wichtigen Künstlers der konkreten Malerei im Rahmen einer Einzelausstellung zu sehen.

Seit Anfang der 1970er Jahre reduziert Andreas Brandt sein Formenrepertoire auf das Rechteck, auch im Hinblick auf das Bildformat. Rechtecke können auch als schmale
Farbbahnen auftreten oder zu Quadraten zusammenwachsen. Alles soll in seinen Bildern offen, überschaubar und nachvollziehbar sein, notiert er zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn.
Inzwischen ist in einem Zeitraum von über vier Jahrzehnten ein stringentes, unverwechselbares Werk entstanden, das sich variantenreich und experimentierfreudig mit Form, Farbe, Fläche
und Raum auseinandersetzt. Dabei verbindet er die "mathematische Denkweise in der Kunst", wie Max Bill 1949 formulierte, mit sinnlich-poetischen Farb-Form-Kompositionen. Man könnte
auch von der "inneren Musikalität" (A.B) seiner Bilder sprechen. Der Rhythmus im Bild ergibt sich durch das Zusammenspiel der Formelemente und die Farbe erzeugt den Klang.
Auf diese Weise wird die Bildfläche in Bewegung versetzt und ein autonomer Bildraum geschaffen.

Auch die in dieser Ausstellung gezeigte Werkgruppe aus den Jahren 2011 und 2012 weist nicht nur eine genaue, unverwechselbare Grammatik auf, die sich in einer proportionalen Gliederung,
durchdachten Ordnung in Zahl und Maß sowie einem ausgewogenen Farbenkanon zeigt, sondern sie hat eine stille Poesie und einfache Schönheit.

In den neuen Arbeiten verwandelt sich die klare Geometrie der drei vertikalen Formen auf dem weißen bzw. farbigen Bildgrund in ein spielerisches Austarieren von Zuständen des Schwebens,
des Sich-Annäherns und Sich-Wegbewegens. Es ist die harmonisch-ausgewogene Stimmigkeit von Inhalt und Form, welche die Bilder zum Klingen bringt. In seinem frühen Werk,
z. B. "Rot-Blau-Gelb" von 1968, erzeugt hingegen die Diagonale eine Dynamisierung. Im gerahmten Bildfeld ereignet sich Bewegung, Rhythmus und Öffnung der Fläche. "Es gilt, was man sieht.
Das ist die Welt des Bildes und das will ich betonen. Indem ich es abschließe und mit dem Rahmen Distanz schaffe", so Andreas Brandt. Der Blick des Betrachters soll im Bild bewusst gelenkt
werden, denn nur durch genaues Sehen erfährt er den Anfang und das Ende der durchdachten Komposition als stimmige Ganzheit.(H.L.)


>>> Bitte vormerken: Teilnahme der an der ART COLOGNE 47. INTERNATIONALER KUNSTMARKT 19.-22. APRIL 2013


Bildbeschreibungen


1. Doppelstreifen dkl.grau-blau, 1972/73, Öl auf Leinwand, 120 x 160 cm, 48.000.- Euro



Anfang und Ende finden, das ist ein Grundproblem der Reihung. Andreas Brandt beginnt von links mit Dunkelgrau und baut dann auf dem weißen Bildgrund ein Gliederungssystem aus vertikal
verlaufenden, blauen und dunkelgrauen Farbbahnen auf. Den Schlusspunkt setzt Blau, wodurch das Ende nicht als absolut erscheint. "Nach Blau könnte es mit einer anderen Farbe weitergehen.
Die Bilder müssen in sich eine Stimmigkeit haben, die sich aus dem Sehen, aus der Erfahrung des Sehens entwickelt" (A.B.). Harmonie, Klarheit und Gleichgewicht sind in dieser auf das
Wesentlichste reduzierten Flächengestaltung tonangebend.


2. mit Grau, 2012, Acryl auf Leinwand, 100 x 165 cm, 22.500.- Euro




Sein Thema ist "das Bild als Bild mit den Mitteln des Bildes" (A.B.). Drei Farbstreifen besetzen das weiße quadratische Bildfeld, umrahmt links von einer hellgrauen und rechts einer gleichbreiten
dunkelgrauen Farbbahn. Der hellste Streifen in der Bildmitte tanzt aus der Reihe und scheint nach oben wegschweben zu wollen. Es ist wie der Blick in einen Bühnenraum, in dem drei Elemente
in eine kommunikative Wechselbeziehung treten. Dabei wird die Leerfläche mit Gedanken und Emotionen belebt, Form und Fläche in ein Gleichgewicht gebracht. Brandt gelingt es mit den Mitteln
des Bildes, formale Strenge mit Spiel und Leichtigkeit, Reduktion mit Öffnung und Weite zu verbinden.


3. mit Grün, 2012, Acryl auf Leinwand, 100 x 165 cm, 22.500.- Euro




Die Formensprache von Andreas Brandt ist vollkommen frei von Anspielungen auf die Welt der sichtbaren Erscheinungen, sie kommt unmittelbar aus seinen Formvorstellungen. Diese Freiheit des
Gestaltens durchzieht auch seine neuen Bilder. Auf einem querformatigen Bildträger entwickelt sich ein Spiel zwischen Fläche und rechteckigen Formelementen. Ein Positiv-Negativ-Dialog des
Streifenpaares beherrscht die grüne Bildfläche und setzt sich dann auf dem rechten weißen Bildgrund fort. Exakte Maßverhältnisse, kalkulierter Rhythmus und klare Proportionen beherrschen das
Bildgeschehen. Diese rationalen Gestaltungspinzipien vermögen eine vielstimmige Klangwelt im Bild aufzubauen, die Lebendigkeit und eine positiv-heitere Grundstimmung freisetzt.


Andreas Brandt (geb. 1935) – biografische Daten

1935 geboren in Halle an der Saale
1954-1955 Studium der Biologie an der Universität Halle
1955 Übersiedlung nach Westberlin
1955-1961 Studium der Malerei an der Hochschule für bildende Künste, Berlin
1962 Emil-Nolde-Stipendium der Nolde-Stiftung in Seebüll
1970 Gastdozentur an der Hochschule für bildende Künste, Berlin
1973 Erste USA-Reise
1975-1976 Einjähriger Aufenthalt in New York
1977 Kunstpreis Berlin (Förderpreis)
1977-1978 Emil-Nolde-Stipendium, einjähriger Aufenthalt in Seebüll
1982-2001 Professur für Textildesign an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg
1990 Camille-Graeser-Preis, Zürich
1995 Fred-Thieler-Preis für Malerei, Berlin
2002 Nordfriesischer Kulturpreis für Literatur, Musik & Kunst

lebt und arbeitet in Niebüll

2006 und 2012 Einzelausstellung in der edith wahlandt galerie, Stuttgart und
seit 2002 auf der ART COLOGNE durch die Galerie vertreten.

Ausführliche Angaben zu Einzel- und Gruppenausstellungen mit Literaturverzeichnis im Katalog zur Ausstellung: Andreas Brandt, Bilder und Grafik, Schloß Husum, 2002 und
ARITHMEUM, Bonn 2004.



Bildnachweise

1. Doppelstreifen dkl.grau-blau, 1972/73, Öl auf Leinwand, 120 x 160 cm, 48.000.- Euro, Foto: Archiv Brandt

2. mit Grau, 2012, Acryl auf Leinwand, 100 x 165 cm, 22.500.- Euro, Foto: Archiv Brandt

3. mit Grün, 2012, Acryl auf Leinwand, 100 x 165 cm, 22.500.- Euro, Foto: Archiv Brandt

4. Porträt Andreas Brandt, Foto: David Brandt, Dresden